Bitcoin Open Interest fällt auf 12 %: Ist der Short Squeeze vorbei?
Krypto-marginierte Bitcoin-Futures verlieren an Dominanz. Open Interest fällt auf 12 %. Ist der Short Squeeze vorbei? On-Chain-Daten liefern Antworten.
Krypto-marginierte Bitcoin-Futures verlieren an Dominanz. Open Interest fällt auf 12 %. Ist der Short Squeeze vorbei? On-Chain-Daten liefern Antworten.
Krypto-marginierte Bitcoin-Futures haben ihr Quasi-Monopol auf dem Derivatemarkt verloren. Innerhalb weniger Wochen sank ihr Anteil von einer erdrückenden Dominanz auf nur noch 12 % des gesamten Open Interest.
Dieser strukturelle Wandel stellt Trader vor eine direkte Frage: Liegt der Short Squeeze, der den BTC-Kurs angetrieben hat, bereits hinter uns? Oder handelt es sich lediglich um eine Pause vor einer neuen Welle der Volatilität?
On-Chain-Daten und Liquidationsströme erzählen eine differenziertere Geschichte, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.
Noch vor wenigen Monaten stellten krypto-marginierte Futures — also solche, die mit Bitcoin statt mit Stablecoins besichert sind — den Großteil des Open Interest auf den BTC-Derivatemärkten. Dieses Modell verstärkt die Volatilität mechanisch: Steigt der BTC-Kurs, wächst der Wert der Sicherheiten, was das Eröffnen weiterer Long-Positionen ermöglicht. Ein gefährlicher reflexiver Hebeleffekt.
Heute ist dieser Anteil auf 12 % gefallen, wie aggregierte Daten der wichtigsten Derivateplattformen zeigen. Stablecoin-marginierte Futures (USDT, USDC) dominieren den Markt nun klar. Diese Verschiebung spiegelt eine Reifung des Marktes wider: Institutionelle Trader und professionelle Desks bevorzugen stabile Sicherheiten, die weniger der Volatilität des Basiswerts selbst ausgesetzt sind.
Diese veränderte Zusammensetzung reduziert strukturell das Risiko von Kaskadenliquidationen. Bei Stablecoin-Besicherung mindert ein BTC-Kursrückgang nicht gleichzeitig den Wert der Sicherheit — anders als beim krypto-marginierten Modell, bei dem eine Korrektur eine Spirale aus Zwangsliquidationen auslösen kann.

Ein Short Squeeze entsteht, wenn eine Anhäufung von Short-Positionen durch steigende Kurse in die Falle gelockt wird. Leerverkäufer, die ihre Positionen schließen müssen, um Verluste zu begrenzen, befeuern den Kursanstieg selbst — und erzeugen so eine Schleife aus bullischen Liquidationen. Bei Bitcoin kann dieses Phänomen in wenigen Stunden Bewegungen von +10 % bis +20 % in illiquiden Märkten auslösen.
Daten von CoinGlass zeigen, dass Short-Liquidationen bei den jüngsten bullischen Impulsen des BTC signifikante Niveaus erreicht haben. Mehrere Signale deuten jedoch auf eine Erschöpfung dieser Dynamik hin: Das Long/Short-Verhältnis gleicht sich schrittweise aus, und die Funding Rate — ein zentraler Stimmungsindikator bei Perpetuals — ist auf den meisten großen Exchanges in neutrales bis leicht positives Terrain zurückgekehrt.
Der Einbruch des krypto-marginierten Anteils spielt dabei ebenfalls eine direkte Rolle: Weniger reflexives Kapital im Umlauf bedeutet weniger verfügbaren Treibstoff für einen groß angelegten Squeeze. Der Markt ist strukturell weniger explosiv als noch 2021 — auch wenn gehebelte Trader weiterhin aktiv sind und bedeutende direktionale Wetten platzieren.
Trotz der Neuausrichtung des Open Interest bleibt das Gesamtvolumen offener Positionen auf Bitcoin hoch. Gehebelte Trader haben den Markt nicht verlassen — sie sind schlicht auf stabilere Instrumente umgestiegen. Diese anhaltende Hebelwirkung, kombiniert mit weniger volatilen Sicherheiten, schafft ein anderes Risikoprofil: weniger potenzielle Kaskadenliquidationen, aber weiterhin verstärkte direktionale Bewegungen.
Für Analysten von CryptoQuant ähnelt die aktuelle Struktur des BTC-Derivatemarktes eher einem reifen Markt als einem spekulativen Casino. Die wichtigsten Unterstützungsniveaus rund um Zonen mit hoher Liquidationsdichte bleiben vorrangige Beobachtungspunkte. Eine abrupte Rückkehr der Volatilität — ausgelöst durch einen makroökonomischen oder regulatorischen Katalysator — könnte dennoch Squeeze-Dynamiken reaktivieren, selbst in einem stablecoin-marginierten Umfeld.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob der Short Squeeze „vorbei“ ist, sondern vielmehr zu verstehen, dass sich die Spielregeln verändert haben. Der Bitcoin-Derivatemarkt im Jahr 2025 ist tiefer, besser kapitalisiert und strukturell weniger anfällig für Liquidationsspiralen — was ihn nicht gegen Volatilität immunisiert, aber deren Charakter grundlegend verändert.
Thomas ist Inhaber eines BTS-Diploms in Informatik mit Schwerpunkt SEO und zertifizierter Texter für Web und E-Commerce. Seit 2018 begeistert er sich für Blockchain-Technologien und Kryptowährungen. Als Spezialist für die Analyse von Marktzyklen im Kryptobereich begann er 2019 mit dem GPU-Mining – zunächst mit ETH, später mit einem Wechsel zu KASPA und Alephium (ALPH).
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