Bitcoins neue Schuldenmaschine steht vor ihrem ersten echten Stresstest
Im Juni 2025 erlebte der Digital-Credit-Markt rund um Bitcoin-Treasuries seinen ersten echten Stresstest. Was STRC und SATA verraten.
Im Juni 2025 erlebte der Digital-Credit-Markt rund um Bitcoin-Treasuries seinen ersten echten Stresstest. Was STRC und SATA verraten.
Im Juni 2025 haben öffentliche Unternehmenstreasurien weiter Bitcoin akkumuliert — doch das war nicht das eigentliche Geschehen des Monats. Ein Marktsegment, das vor zwei Jahren noch kaum existierte, erlebte seinen ersten echten Erschütterungsmoment: die Vorzugsaktien, die Unternehmen inzwischen nutzen, um ihre BTC-Käufe zu finanzieren.
Ein Bericht von BitcoinTreasuries.net bezeichnet den Juni als ersten Stresstest für diesen Markt des Digital Credit. Das Urteil fällt gemischt aus, liefert aber wertvolle Erkenntnisse über die nächste Phase der institutionellen Bitcoin-Adoption.
Was sich unter der Oberfläche abgespielt hat, offenbart die strukturellen Schwachstellen eines noch jungen Finanzierungsmodells — und wie schnell es kippen kann.
Die öffentlichen Treasuries haben im Juni knapp 9.000 BTC brutto hinzugekauft, was netto rund 7.300 BTC entspricht — bewertet mit etwa 427 Millionen US-Dollar zum Monatsschlusskurs von 58.398 $. Ein moderates Wachstum, das zu 80 % von zwei Akteuren getragen wurde.
Strategy von Michael Saylor akkumulierte 3.625 BTC netto für rund 200 Millionen Dollar. Strive folgte mit 3.364 BTC für einen ähnlichen Betrag. Abseits dieser beiden Schwergewichte kaufte der gesamte Rest des Marktes lediglich rund 2.000 BTC. Für das gesamte zweite Quartal schätzt der Bericht die Nettokäufe auf 110.000 BTC — ein höheres Tempo als in den beiden vorangegangenen Quartalen.
Der Marktkontext ist entscheidend: Bitcoin notierte deutlich unterhalb seines Allzeithochs von rund 126.000 $ aus dem Oktober 2025 und fiel im Laufe des Monats kurzzeitig unter die 60.000-Dollar-Marke. Dieser Rücksetzer befeuerte die Krise im Segment des Digital Credit direkt.

Um die Krise zu verstehen, muss man das Modell kennen. Unternehmen wie Strategy nutzen für ihre Bitcoin-Käufe nicht mehr ausschließlich eigene Mittel. Sie emittieren Vorzugsaktien — mit fester oder variabler Dividende für ihre Investoren — und reinvestieren das eingesammelte Kapital in BTC. STRC (Strategy) und SATA (Strive) sind die beiden wichtigsten Instrumente dieser Art geworden.
Wochenlang bewegten sich diese Titel in einer engen Spanne um ihren Nennwert von 100 $. Diese scheinbare Stabilität verleitete Investoren dazu, auf Kredit zu kaufen und ihre Positionen zu hebeln. Als Bitcoin korrigierte, wurde der aufgebaute Hebel zum Zünder. Ab dem 18. Juni fielen STRC und SATA unter die 100-Dollar-Marke. Margin Calls erzwangen Zwangsverkäufe in Kaskaden: STRC fiel auf ein Tief von rund 75 $, während SATA sowohl unter eigenem Druck als auch unter dem Spillover-Effekt von STRC litt.
Der Bericht ist eindeutig: Es handelte sich nicht um eine Krise der zugrunde liegenden Dividenden — diese flossen weiterhin normal — sondern um eine Positionierungskrise. Diese Unterscheidung ist fundamental. Strategy hielt 847.363 BTC zu einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.651 $ und verfügte Mitte Juni über eine Reserve von 1,1 Milliarden Dollar. Strive unterhielt eine Dividendenreserve mit einer Deckung von 18 Monaten. Es ging um Cashflow-Fragen, nicht um Solvenz.
Die Erholung verlief ebenso rasch wie der Einbruch. Am 2. Juli notierte STRC bei rund 87 $ und SATA bei knapp 97 $ — Niveaus, die bis zur Veröffentlichung des Berichts am 9. Juli gehalten wurden. Weder Strategy noch Strive haben auch nur eine einzige Dividendenzahlung ausgesetzt. Saylor reagierte mit dem Rückkauf von Aktien und Digital-Credit-Instrumenten und erhöhte gleichzeitig die Dividenden von STRC.
Diese Erholung hat die überzeugten Investoren beruhigt. Doch die Episode legt eine strukturelle Realität offen: Der Digital-Credit-Markt rund um Bitcoin ist noch jung, wenig liquide und anfällig für Hebelwirkungen. Eine längere Phase der Stabilität nahe am Nennwert hat ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugt und Akteure dazu verleitet, unverhältnismäßige Risiken mit Instrumenten einzugehen, die eigentlich defensiv konzipiert sind.
Für die kommenden Monate stellt sich nicht die Frage, ob diese Instrumente überleben werden — die Solidität der Dividendenreserven macht das nahezu sicher. Die eigentliche Frage ist, ob der Markt in der Lage ist, neue Marktteilnehmer aufzunehmen, ohne jedes Mal dieselbe Dynamik exzessiver Hebelwirkung zu reproduzieren, sobald die Volatilität von Bitcoin wieder erwacht.
Thomas ist Inhaber eines BTS-Diploms in Informatik mit Schwerpunkt SEO und zertifizierter Texter für Web und E-Commerce. Seit 2018 begeistert er sich für Blockchain-Technologien und Kryptowährungen. Als Spezialist für die Analyse von Marktzyklen im Kryptobereich begann er 2019 mit dem GPU-Mining – zunächst mit ETH, später mit einem Wechsel zu KASPA und Alephium (ALPH).
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