Coldcard-Hack: Bitcoin-ETFs verzeichnen stärksten Mittelzufluss seit April
Nach dem Coldcard-Hack flossen 850 Mio. Dollar in Bitcoin-ETFs – der stärkste Wochenzufluss seit April. Was steckt dahinter?
Nach dem Coldcard-Hack flossen 850 Mio. Dollar in Bitcoin-ETFs – der stärkste Wochenzufluss seit April. Was steckt dahinter?
Ein verheerender Hack auf Coldcard-Wallets. Hunderte Millionen Dollar in Bitcoin spurlos verschwunden. Und paradoxerweise ein massiver Ansturm auf Bitcoin-ETFs.
In der vergangenen Woche verzeichneten die amerikanischen Indexfonds mit BTC-Exposure ihre stärksten Zuflüsse seit April — als hätte die Katastrophe am Ende unfreiwillig Werbung für institutionelle Produkte gemacht.
Hinter dieser Kehrtwende steckt eine grundlegende Frage: Ist die selbstverwaltete Verwahrung noch ein schlagkräftiges Argument gegenüber ETFs, die von BlackRock oder Fidelity verwaltet werden?
Laut Bloomberg-Daten haben die amerikanischen Bitcoin-ETFs in der Woche nach Bekanntwerden des Coldcard-Hacks 850 Millionen Dollar eingesammelt — ihr stärkster wöchentlicher Zufluss seit April 2026. BlackRock, Fidelity, Grayscale und Morgan Stanley gehören zu den größten Nutznießern dieses Kapitalzuflusses, wobei das verwaltete Gesamtvermögen der amerikanischen Fonds laut CoinGlass-Daten mittlerweile knapp an die 80 Milliarden Dollar heranreicht.
Das Timing ist bemerkenswert. Hacker nutzten eine Software-Schwachstelle in der Firmware des Coldcard, dem Flaggschiff-Hardware-Wallet von Coinkite, um Gelder direkt aus den Wallets der Nutzer abzuschöpfen. Einige Schätzungen sprechen von mehr als 130 Millionen Dollar in gestohlenen Bitcoin. Der Vorfall hat die Bitcoin-Community tief erschüttert, die Cold Storage traditionell als den ultimativen Sicherheitsstandard betrachtet.
Es lässt sich nur schwer belegen, ob Anleger infolge des Hacks direkt von der Self-Custody zu ETFs gewechselt haben. Doch die zeitliche Korrelation ist frappierend, und die Handelsvolumina dieser Produkte sind im Nachgang des Vorfalls deutlich gestiegen.

Robert Mitchnick, globaler Leiter für digitale Assets bei BlackRock, nutzte die ETF IQ-Sendung von Bloomberg, um das Wertversprechen der ETFs im Kontext dieses Vorfalls klar zu formulieren. Seit der Genehmigung der Fonds durch die SEC im Januar 2024 suchen Anleger seiner Einschätzung nach „ein einfaches, schlüsselfertiges und vertrauenswürdiges Vehikel“ — ohne die Feinheiten der Krypto-Sicherheit beherrschen zu müssen: Private Keys, Seed Phrases, Firmware-Updates.
Zum Coldcard-Hack selbst stellte Mitchnick die Debatte in einen anderen Rahmen: „Das ist keine Schwachstelle im Bitcoin-Protokoll oder einem anderen Krypto-Protokoll — es handelt sich um Probleme durch mangelhaftes Sicherheitsmanagement auf individueller Ebene, die bei verschiedenen Einzelpersonen oder Dienstleistern auftreten.“ Eine beruhigende Botschaft für ETF-Inhaber, die jedoch gleichzeitig die strukturellen Grenzen der Self-Custody für technisch weniger versierte Nutzerprofile aufzeigt.
BlackRock gab zudem an, konsistent zu beobachten, dass seine Bitcoin-ETF-Anleger ihre Positionen langfristig kaufen und halten — auch in Phasen des Kursrückgangs. Ein institutionalisiertes HODL-Verhalten, das sich deutlich von der Verhaltensvolatilität abhebt, die häufig mit direkten BTC-Haltern assoziiert wird.

Trotz des Rekordzuflusses zeigt Bitcoin auf Sieben-Tage-Sicht eine nahezu nullwertige Performance und wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei rund 63.861 Dollar gehandelt. Historisch gesehen fielen Wochen mit starken ETF-Zuflüssen häufig mit deutlichen Kursanstiegen zusammen — diese Entkopplung verdient daher Aufmerksamkeit. Sie könnte auf kompensierende Verkaufsdruck hindeuten, der möglicherweise mit Opfern des Coldcard-Hacks zusammenhängt, die ihre verbleibenden Positionen liquidieren.
Der Markt befindet sich in einer unentschlossenen Price-Action-Zone: weder ein bullischer Ausbruch noch eine klare Kapitulation. Institutionelle Käufer absorbieren den Druck, doch die allgemeine Marktstimmung bleibt vorsichtig. Der kurzfristige Widerstand liegt im Bereich von 65.000 bis 66.000 Dollar — ein Niveau, das BTC seit mehreren Wochen nicht zurückerobert hat.
Dieses Umfeld verdeutlicht, dass ETFs, auch wenn sie frisches Kapital anziehen, keine automatischen Preistreiber sind. Die institutionelle Nachfrage schafft einen Boden, doch für ein nachhaltiges bullisches Momentum braucht es zusätzliche Katalysatoren — makroökonomischer, On-Chain- oder regulatorischer Natur —, damit es sich vollständig entfalten kann.
Thomas ist Inhaber eines BTS-Diploms in Informatik mit Schwerpunkt SEO und zertifizierter Texter für Web und E-Commerce. Seit 2018 begeistert er sich für Blockchain-Technologien und Kryptowährungen. Als Spezialist für die Analyse von Marktzyklen im Kryptobereich begann er 2019 mit dem GPU-Mining – zunächst mit ETH, später mit einem Wechsel zu KASPA und Alephium (ALPH).
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