Gemini führt provisionsfreien Aktienhandel ein und will zur finanziellen Super-App werden
Gemini startet provisionsfreien Aktienhandel für US-Nutzer und greift Robinhood sowie Coinbase direkt an. Was steckt hinter der Super-App-Strategie?
Gemini startet provisionsfreien Aktienhandel für US-Nutzer und greift Robinhood sowie Coinbase direkt an. Was steckt hinter der Super-App-Strategie?
Gemini macht einen weiteren Schritt in seiner Expansionsstrategie. Die von den Winklevoss-Brüdern gegründete Plattform hat soeben den Start des provisionsfreien Aktienhandels für berechtigte US-Nutzer angekündigt.
Dabei handelt es sich nicht bloß um eine weitere Zusatzfunktion: Gemini zeigt unmissverständlich seinen Anspruch, eine finanzielle All-in-one-Super-App zu werden, die mit den etablierten Akteuren der Fintech-Branche mithalten kann.
Hinter dieser Ankündigung zeichnet sich ein größerer Kampf um die Kontrolle über das digitale Portfolio der Retail-Investoren ab — und die Auswirkungen auf das Krypto-Ökosystem sind alles andere als bedeutungslos.
Aktienhandel mit 0 % Provision ist an sich keine Neuheit — Robinhood hat daraus seit 2013 sein Geschäftsmodell gemacht. Doch wenn ein großer Krypto-Exchange wie Gemini diesen Schritt geht, markiert das eine strategische Zäsur. Die Plattform will nicht mehr nur Krypto-Handelsvolumen abschöpfen: Sie will zum einzigen Einstiegspunkt für sämtliche Finanzanlagen eines Nutzers werden.
Damit tritt Gemini in direkten Wettbewerb mit Robinhood im Segment der amerikanischen Retail-Investoren, aber auch mit Coinbase, das seit mehreren Quartalen eigene ergänzende Finanzdienstleistungen ausbaut. Indem Gemini die Gebühren auf Aktien abschafft, senkt die Plattform die Opportunitätskosten für Nutzer, die zögern, ihre Krypto- und Aktienbestände in einer einzigen Oberfläche zu konsolidieren.
Die Frage des Geschäftsmodells bleibt offen: Wenn Provisionen wegfallen, muss der Umsatz anderswo herkommen — über den Spread auf Orders, Premium-Dienste, Renditeprodukte oder die Monetarisierung des Orderflows (PFOF). Gemini hat seine Erlösmechanik in diesem Segment bislang nicht öffentlich erläutert.
Geminis erklärter Anspruch — eine finanzielle Super-App zu werden — fügt sich in ein amerikanisches Regulierungsumfeld ein, das sich im Wandel befindet. Seit Anfang 2025 hat das kryptofreundliche Klima in Washington für Exchanges, die ihr Dienstleistungsspektrum ausweiten wollen, völlig neue Perspektiven eröffnet, ohne unmittelbare Zwangsmaßnahmen der SEC befürchten zu müssen.
Gemini verfügt bereits über eine BitLicense in New York, eine Infrastruktur für institutionelles Custody sowie ein Krypto-Kreditkartenprodukt. Mit dem Aktienhandel vervollständigt die Plattform ein Angebot, das nun Folgendes umfasst: Krypto-Spot, Derivate, Staking, Custody, Zahlungskarte und Aktien. Genau diese Kombination streben asiatische Plattformen wie Grab oder WeChat Pay in ihren jeweiligen Märkten an.
Das Hauptrisiko liegt in der Umsetzung. Die Integration regulierter Vermögenswerte wie Aktien in eine für Krypto konzipierte Oberfläche bringt erheblich schwerere Compliance-Anforderungen, Anforderungen zur Vermögenstrennung und steuerliche Meldepflichten mit sich. Französische und europäische Nutzer sind von diesem Launch vorerst nicht betroffen, da er auf die Vereinigten Staaten beschränkt bleibt.
Geminis Entscheidung steht nicht für sich allein. Sie bestätigt einen grundlegenden Trend: Die großen Krypto-Plattformen wollen aus der Mono-Produkt-Positionierung heraus und einen größeren Anteil am finanziellen Wallet ihrer Nutzer gewinnen. Coinbase hat eine eigene Karte und einen Staking-Dienst gestartet und erkundet RWA (Real-World Assets). Kraken hat NinjaTrader übernommen, um Zugang zum Markt für regulierte Futures zu erhalten.
Die Botschaft an den Markt ist eindeutig: Ein reiner Krypto-Exchange reicht nicht mehr aus. Die nächste Generation von Plattformen wird hybrid sein — krypto-nativ, aber in der Lage, traditionelle Kapitalflüsse zu absorbieren. Für Nutzer bedeutet das potenziell weniger Konten, weniger Reibungsverluste und eine steuerlich einfachere Verwaltung an einem einzigen Ort.
Für traditionelle Akteure wie Charles Schwab oder Fidelity, die ihrerseits über Bitcoin-ETFs in die Krypto-Welt vordringen, vollzieht sich die Konvergenz in beide Richtungen. Der Kampf um die einheitliche Finanzoberfläche hat gerade erst begonnen.
Thomas ist Inhaber eines BTS-Diploms in Informatik mit Schwerpunkt SEO und zertifizierter Texter für Web und E-Commerce. Seit 2018 begeistert er sich für Blockchain-Technologien und Kryptowährungen. Als Spezialist für die Analyse von Marktzyklen im Kryptobereich begann er 2019 mit dem GPU-Mining – zunächst mit ETH, später mit einem Wechsel zu KASPA und Alephium (ALPH).
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