Hoskinson wirft Ethereum vor, das EUTXO-Modell von Cardano zu kopieren – ohne es anzuerkennen
Charles Hoskinson wirft Ethereum vor, das EUTXO-Modell von Cardano zu übernehmen – ohne die Quelle zu nennen. Was steckt hinter dem Streit?
Charles Hoskinson wirft Ethereum vor, das EUTXO-Modell von Cardano zu übernehmen – ohne die Quelle zu nennen. Was steckt hinter dem Streit?
Charles Hoskinson nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Gründer von Cardano hat Ethereum öffentlich beschuldigt, eine technische Architektur zu übernehmen, die Cardano als Pionier entwickelt hat — ohne jemals die Quelle zu nennen.
Der Streit entbrannte, nachdem ein Forscher der Ethereum Foundation vorgeschlagen hatte, native UTXOs in das Ethereum-Protokoll zu integrieren. Ein Vorschlag, der laut Hoskinson auffallend stark an das erinnert, was Cardano seit Jahren praktiziert.
Hinter diesem Wortgefecht verbirgt sich eine grundlegende technische Debatte über die Zukunft von Smart Contracts — und darüber, wer im Blockchain-Ökosystem wirklich was erfunden hat.

Ausgangspunkt ist ein Vorschlag von Toni Wahrstätter, Forscher bei der Ethereum Foundation, der die Einführung nativer UTXOs direkt auf Protokollebene von Ethereum anregt. Das erklärte Ziel: die Vorhersehbarkeit von Transaktionen zu verbessern und bestimmte Reibungspunkte des aktuellen kontobasierten Modells von Ethereum zu reduzieren.
Zur Erinnerung: Ethereum basiert heute auf einem kontobasierten Modell (Account-based Model), bei dem jede Adresse ein Guthaben führt, das bei jeder Transaktion aktualisiert wird. Dieses Modell erleichtert die Programmierbarkeit von Smart Contracts, bringt jedoch Komplexitäten in Bezug auf Parallelisierung und Determinismus der Ausführungen mit sich.
Im Gegensatz dazu behandelt das UTXO-Modell (Unspent Transaction Output) — durch Bitcoin bekannt gemacht und von Cardano in Form des EUTXO-Modells weiterentwickelt — jede Werteinheit als eigenständiges Objekt, das bei jeder Transaktion verbraucht und neu erzeugt wird. Cardano hat dieses Modell um Skripte und beliebige Datensätze erweitert, was deterministische und leichter auditierbare Smart Contracts ermöglicht.
Die Reaktion von Charles Hoskinson ließ nicht lange auf sich warten. In den sozialen Medien erklärte der Gründer von Cardano unmissverständlich, dass Ethereum versuche, das EUTXO-Modell zu übernehmen, das sein Team Jahre zuvor entwickelt und eingeführt hatte — ohne dass der Vorschlag von Wahrstätter Cardano als Referenz oder Inspirationsquelle erwähnt.
Solche Reibereien zwischen Ökosystemen sind in der Kryptobranche nicht neu. Doch Hoskinsons Aussage wirft eine grundlegende Frage auf: In einem Open-Source-Sektor, in dem Code öffentlich ist und Ideen frei zirkulieren, wo hört Inspiration auf und wo beginnt geistiger Diebstahl? Die Grenze ist fließend, und die jeweiligen Communities sind sich bei der Antwort naturgemäß uneinig.
Von Seiten Ethereums gibt es bislang keine offizielle Stellungnahme. Der Vorschlag von Wahrstätter befindet sich noch im explorativen Stadium und wurde noch nicht als formalisierter EIP (Ethereum Improvement Proposal) eingereicht. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Debatte innerhalb der Ethereum-Entwickler-Community weiterentwickelt, bevor klar wird, ob dieser Ansatz tatsächlich weiterverfolgt wird.
Jenseits des persönlichen Streits beleuchtet diese Episode eine strukturelle Spannung im Blockchain-Ökosystem: Die Wahl des Zustandsverwaltungsmodells (Account vs. UTXO) bleibt einer der fundamentalen Kompromisse jeder L1-Blockchain. Beide Ansätze haben ihre Stärken — das kontobasierte Modell begünstigt die Komposabilität von DeFi-Protokollen, während EUTXO einen wertvollen Determinismus für Sicherheit und formale Verifikation bietet.
Sollte Ethereum tatsächlich eine Form nativer UTXOs integrieren, wäre das eine grundlegende architektonische Veränderung — in ihrer Komplexität möglicherweise vergleichbar mit dem Übergang zu Proof-of-Stake. Die Auswirkungen auf dApp-Entwickler, Wallets und bestehende DeFi-Protokolle wären erheblich, und die Ethereum-Community ist von einer Entscheidung noch weit entfernt.
Für Cardano ist diese Diskussion jedenfalls eine Art indirekter Bestätigung. Dass die Ethereum Foundation dieses Terrain erkundet, deutet darauf hin, dass das EUTXO-Modell Eigenschaften besitzt, die interessant genug sind, um die Aufmerksamkeit der größten Smart-Contract-Plattform der Welt auf sich zu ziehen. Eine stillschweigende Anerkennung — auch wenn Hoskinson sie offensichtlich lieber explizit gesehen hätte.
Thomas ist Inhaber eines BTS-Diploms in Informatik mit Schwerpunkt SEO und zertifizierter Texter für Web und E-Commerce. Seit 2018 begeistert er sich für Blockchain-Technologien und Kryptowährungen. Als Spezialist für die Analyse von Marktzyklen im Kryptobereich begann er 2019 mit dem GPU-Mining – zunächst mit ETH, später mit einem Wechsel zu KASPA und Alephium (ALPH).
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